Der erste Eindruck ist entscheidend, der letzte Eindruck bleibt. Dieser Merksatz bringt auf den Punkt, dass Anfang und Ende eines jeden Auftritts von besonderer Bedeutung sind. Wir wollen uns heute mal um das Ende kümmern. Denn: Der Abschluss Ihrer Präsentation ist das, was Ihr Publikum mit nach Hause nimmt. Was am besten haften bleibt in den Köpfen des Publikums. Nicht umsonst sparen sich viele Top-Künstler einen oder gar mehrere ihrer grössten Hits für die Zugabe auf.

1. Zeit überzogen

Nein, dafür gibt es keine Entschuldigung. Und wenn Sie noch so spannend präsentieren und eine noch so tolle Geschichte aufgebaut haben: Ihr Publikum hat aufgrund der Ankündigung / Einladung disponiert und möglicherweise nach Ihrem Auftritt weitere Termine. Müssen Kinder von der Krippe oder Schule abholen, zum Arzt oder treffen einen wichtigen Kunden. Vielleicht haben nach Ihren weitere Referent/innen Ihren Auftritt? Dann ist es äusserst unhöflich und auch unfair, auf ihre Kosten zu überziehen. Pünktlich fertig zu werden ist deshalb eine wichtige Tugend eines Präsentationsgottes.

Darüber hinaus wollen Sie nicht, dass am Ende Ihrer Präsentation sich die Reihen langsam, aber immer mehr leeren, weil die Leute aus dem immer noch laufenden Vortrag davoneilen.

Kleiner Tipp: In der Regel wird niemand sauer, wenn Sie einige Minuten früher fertig sind als geplant. Ich rechne deshalb am Ende immer mit einer Viertelstunde weniger, als ich im Zeitplan kommuniziert habe.

2. Ende ausgefranst

Sie haben sich einen knackigen Einstieg überlegt und es tatsächlich geschafft, das Publikum in Ihren Bann zu ziehen. Nur: Das Ende haben Sie nicht geplant. Und statt dass Sie jetzt «auf Punkt» enden und das Publikum quasi mit einer Pointe verabschieden, franst das Ganze am Ende aus, weil Ihnen so viele Gedanken kommen, die sie alle auch noch loswerden möchten. Und dabei einfach kein Ende finden. So bleibt am Ende nicht der knackige Start in Erinnerung, sondern ein/e Präsentator/in, die ein Ende sucht und (lange) nicht findet. Nicht optimal.

3. Botschaft erklärt

Ganz wichtig am Storytelling: Die Geschichte erzählt Ihre Botschaft. Wenn Sie beispielsweise die Geschichte erzählen, wie Sie dank dem Miteinbezug der Nachbarn in einem frühen Stadium eines Bauprojekts keine Einsprachen provozierten, die das ganze Projekt verzögert hätten, dann schildern Sie die verschiedenen Schritte, die sie unternommen hatten. Insbesondere auch die Schwierigkeiten, die sich dabei ergaben. Aber verzichten Sie darauf, am Ende ein Fazit zu ziehen à la: «Und wie diese Geschichte beweist, kann man Einsprachen bei Bauprojekten proaktiv verhindern, indem man nur rechtzeitig den Kontakt und die Kommunikation mit den Nachbarn sucht.» – Wer so abschliesst, kommt mir vor, wie diese Witzeerzähler, die am Ende des Witzes Ihre Pointe erklären (müssen). Storytelling heisst, dass das Publikum die Botschaft aus der Geschichte selbst herausfiltert. Erklären Sie also nicht die Pointe.

4. Rechtfertigung im Feedback

Manchmal enden Präsentationen – und vielmehr noch Workshops – in Feedbackrunden. Ich bin zunächst generell skeptisch, weil sie damit den wichtigsten Moment, nämlich das Ende, aus der Hand geben und dem Publikum überlassen. Sie riskieren damit, dass ihnen ein einzelner miesepetriger Gast in die Parade fährt. Häufig geschieht es dann auch, dass ein Speaker sich zu rechtfertigen beginnt für seine Präsentation. Das ist das Schlimmste und lässt Sie schwach aussehen. Wenn es deshalb eine Feedback-Runde braucht, dann gilt die goldene Regel: Fragen Sie nach, wenn Sie ein Feedback nicht verstehen oder nicht sicher sind, ob Sie das Anliegen richtig verstanden haben. Aber versuchen Sie nie, ich sage es nocheinmal, NIE, etwas zu erklären oder zu rechtfertigen. Hören Sie einfach zu, und bedanken Sie sich – gerade auch bei kritischen Voten. So wirken Sie auch bei Kritik souverän.

5. Zugabe, wenn das Licht schon an ist.

Sie kennen das vom Konzert: Das Publikum klatscht nach der ersten Zugabe noch mal so halbherzig, es bleibt dunkel im Saal, die Band wartet ab. Wenn der Applauspegel nicht hoch genug steigt, war’s das. Und diejenigen, die nach einer weiteren Zugabe gerufen haben, sind enttäuscht. Deshalb lassen professionell choreografierte Bands nach der letzten Zugabe das Licht im Saal sofort einschalten. Und keiner Band käme es in den Sinn, noch einmal auf die Bühne raus, nachdem das Licht schon eingeschaltet ist und das Publikum zum Ausgang strömt.

Bei Präsentationen kommt es aber immer wieder vor, dass nach dem Ende noch Fragen gestellt werden, und weitere Fragen, und der vermeintliche Schlusspunkt am Ende keiner mehr war. Lassen Sie das nicht zu: Steuern Sie allfällige Fragen so, dass die vor dem Schlussbouquet gestellt werden können – oder individuell, nachdem Ihr Auftritt schon vorüber ist.

Ins selbe Kapitel gehen diejenigen, die etwas vergessen haben, das Sie dem Publikum dann noch „hinterherwerfen“. – Tun Sie’s nicht. Niemand ausser Sie weiss, dass da noch etwas gewesen wäre. Und in 99% aller Fälle ist es nicht Wert, dass Sie Ihren Schlusspunkt damit kaputtreden.


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